Digitale Mauern: Wem gehört die Infrastruktur des Internets?
Von AWS bis Starlink: eine Analyse, ob "dezentrale" Projekte wirklich unabhängig von Tech-Giganten sein können
Die Illusion der Wolke
Wenn wir von der "Cloud" sprechen, klingt das irgendwie luftig, grenzenlos, demokratisch. Als würden unsere Daten irgendwo im Äther schweben, frei von geografischen Grenzen und Machtstrukturen. Die Realität sieht radikal anders aus: Das Internet ist keine Wolke, sondern ein massives Netz aus Unterseekabeln, Rechenzentren und Satelliten, das einer Handvoll Konzerne gehört. Und während Blockchain-Enthusiasten von Dezentralisierung träumen, laufen ihre "unabhängigen" Projekte oft auf genau dieser zentralisierten Infrastruktur.
Die große Ironie unserer Zeit? Die dezentrale Revolution wird auf zentraler Hardware gehostet.
Die drei Säulen der digitalen Macht
AWS und die Cloud-Konzentration
Lass uns mit den Zahlen anfangen: Amazon Web Services kontrolliert 30% des globalen Cloud-Markts. Microsoft Azure kommt auf 20%, Google Cloud auf 13%. Zusammen besitzen diese drei Tech-Giganten 63% der weltweiten Cloud-Infrastruktur. Der Rest verteilt sich auf viele kleinere Anbieter, von denen keiner mehr als 4% Marktanteil hat.
Was heißt das konkret? 25% aller Ethereum-Workloads laufen auf AWS-Servern. Als AWS im Oktober 2025 einen Ausfall hatte, gingen nicht nur Amazon-Services down, sondern auch große Teile der Krypto-Welt: Coinbase, Robinhood, das Base Layer-2-Netzwerk, Infura. Die "dezentralen" Systeme brachen zusammen, weil ein zentraler Dienst ausgefallen war.
Die Daten von Ethernodes zeigen: 28% aller Ethereum-Nodes laufen auf AWS, weitere 15,6% auf Hetzner. Über die Hälfte der Ethereum-Infrastruktur hängt also an zentralisierten Cloud-Anbietern. Bei Solana sieht es ähnlich aus: knapp 6% des Stakes kommt von Validatoren auf AWS-Servern.
Selbst wenn du versuchst, deine DApp "dezentral" zu bauen, landest du wahrscheinlich bei AWS. Warum? Weil es einfacher ist. AWS bietet sogar einen "Amazon Managed Blockchain"-Service an, der es dir erlaubt, Blockchain-Infrastruktur zu betreiben, ohne selbst Server verwalten zu müssen. Die Ironie: Du kannst eine dezentrale Anwendung mit einem Klick bei Amazon bestellen.
Starlink: Der Himmel gehört jetzt jemandem
Während AWS die Cloud dominiert, erobert SpaceX den Himmel. Starlink hat 72% Marktanteil beim Satelliten-Internet und über 9 Millionen Kunden weltweit. Das Unternehmen kontrolliert 90% des gesamten Satelliten-Internet-Markts und macht damit rund 11,8 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr.
Warum ist das relevant für Dezentralisierung? Weil Starlink zunehmend als Backup-Infrastruktur für Internet-Zugang dient, besonders in Regionen ohne gute terrestrische Anbindung. Wenn dein "dezentraler" Blockchain-Node über Starlink mit dem Netz verbunden ist, hängst du von Elon Musks Satellitenflotte ab.
Und die politische Dimension? Starlink kann Zugang zu seinem Netzwerk nach Belieben gewähren oder verweigern. Das haben wir bei der Ukraine-Krise gesehen, wo SpaceX zeitweise den Zugang für militärische Operationen einschränkte. Das Unternehmen hat auch Starlink-Zugang in Myanmar blockiert, nachdem berichtet wurde, dass Kriminelle das Netzwerk für Scam-Zentren nutzten.
Die Kontrolle über Satelliten-Internet ist Kontrolle über die Grundlage digitaler Kommunikation. Und diese Kontrolle liegt bei einem einzigen, börsennotierten Unternehmen.
Unterseekabel: Die physische Realität des Internets
Jetzt wird es richtig physisch: 99% aller interkontinentalen Daten fließen durch Unterseekabel. Diese Kabel, die auf dem Meeresboden liegen, sind das eigentliche Rückgrat des Internets. Und wer besitzt sie zunehmend? Die großen Tech-Konzerne.
Google, Meta, Microsoft und Amazon haben in den letzten Jahren massiv in eigene Unterseekabel investiert. Google allein besitzt oder co-besitzt Kabel mit einer Gesamtlänge von über 100.000 Kilometern. Meta baut gerade "Project Waterworth", das längste Unterseekabel der Welt, das USA, Indien, Südafrika und Brasilien verbinden soll, über 50.000 Kilometer lang.
Diese Verschiebung ist historisch bedeutsam: Früher gehörten Unterseekabel Telekommunikations-Konsortien, also Zusammenschlüssen mehrerer Firmen. Heute bauen Tech-Giganten ihre eigenen, privaten Leitungen. Sie vertikalisieren die Infrastruktur, vom Content bis zum physischen Kabel.
Was bedeutet das? Wenn Google oder Meta einen erheblichen Teil der physischen Internet-Infrastruktur besitzen, können sie den Datenfluss kontrollieren, priorisieren, drosseln. Sie werden zu Gatekeepern im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Dezentralisierungs-Fassade
Blockchain läuft auf Amazon
Hier wird es richtig absurd: Viele "dezentrale" Blockchain-Projekte laufen auf zentraler Cloud-Infrastruktur. DeFi-Plattformen wie Arkhivist sind extra von Google Cloud zu AWS migriert, um "bessere Skalierbarkeit" zu bekommen. AWS wirbt aktiv für seinen Blockchain-Service und zählt Nestlé, Sony Music, BMW und andere Konzerne als Kunden.
Die Logik dahinter ist einfach: Selbst Blockchain-Nodes zu betreiben ist teuer und kompliziert. Du brauchst Hardware, Strom, Bandbreite, technisches Know-how. AWS bietet das alles as-a-Service an. Mit ein paar Klicks hast du einen Ethereum-Node am Laufen.
Das Problem? Wenn AWS entscheidet, deinen Service zu beenden, ist dein "dezentraler" Node weg. Wenn AWS Preise erhöht, zahlst du mehr. Wenn AWS ausfällt, bist du offline. Die Dezentralisierung existiert nur auf der Protokoll-Ebene, nicht auf der Infrastruktur-Ebene.
Ein Beispiel: Im Frühjahr 2025 führte ein DNS-Bug in der US-EAST-1-Region von AWS zu einem mehrstündigen Ausfall. Coinbase ging offline. Das Base Layer-2-Netzwerk hatte reduzierte Kapazität. MetaMask-User konnten sich nicht mit verschiedenen Chains verbinden, weil Infura, das Backend-Service für Wallet-Verbindungen, betroffen war. "Die ganze Vision hinter Blockchain war dezentrale Infrastruktur", schrieb der Gründer von Rotkiapp, "und wir haben komplett versagt."
IPFS: Dezentral in der Theorie, AWS in der Praxis
IPFS, das InterPlanetary File System, verspricht dezentrales File-Hosting. Statt Daten auf einem Server zu speichern, werden sie über ein Peer-to-Peer-Netzwerk verteilt. Klingt großartig, oder?
Hier kommt die Ernüchterung: IPFS ist kein Storage-Protokoll, sondern ein Routing-Protokoll. Die Daten müssen irgendwo physisch gespeichert werden. Und wo speichern die meisten IPFS-Pinning-Services ihre Daten? Auf AWS S3.
Filebase, einer der größeren Anbieter, hat das Problem erkannt und speichert Daten stattdessen auf Sia, einem dezentralen Storage-Netzwerk. Aber selbst Sia-Nodes laufen oft auf... genau, Cloud-Servern.
Die Wahrheit ist: Echte Dezentralisierung ist schwer und teuer. Die meisten Projekte nehmen den pragmatischen Weg und nutzen etablierte Infrastruktur. Was sie "dezentral" nennen, ist oft nur eine dezentrale Datenstruktur auf zentraler Hardware.
DNS und ICANN: Die Wurzel der Zentralisierung
Selbst wenn du perfekte dezentrale Infrastruktur hättest, würdest du an einem fundamentalen Punkt scheitern: dem Domain Name System. DNS übersetzt leserliche Domains wie "blog.itsjn.com" in IP-Adressen. Und DNS wird von ICANN kontrolliert, einer US-amerikanischen Non-Profit-Organisation.
ICANN hat die Macht, Top-Level-Domains zu vergeben oder zu entziehen. Wenn sie wollen, können sie .eth-Domains blockieren oder Ländercode-TLDs wie .ly (Libyen) politisch einsetzen. Es gibt Blockchain-basierte DNS-Alternativen wie Handshake oder ENS, aber die werden von den wenigsten Browsern nativ unterstützt.
Die Lektion? Selbst wenn du die perfekte dezentrale App baust, brauchst du am Ende eine Domain. Und Domains sind zentralisiert.
Warum Dezentralisierung so schwer ist
Die Ökonomie der Infrastruktur
Infrastruktur hat natürliche Monopoltendenz. Warum? Wegen der Skaleneffekte. Wenn du ein Rechenzentrum baust, sind die Fixkosten enorm. Aber je mehr Kunden du hast, desto günstiger wird es pro Kunde. Dasselbe gilt für Unterseekabel und Satellitenkonstellationen.
Amazon hat AWS vor fast 20 Jahren gestartet. Sie hatten einen massiven First-Mover-Advantage und konnten Skaleneffekte aufbauen, die kleinere Anbieter nie erreichen werden. Starlink hat bereits über 10 Milliarden Dollar in seine Satellitenflotte investiert. Wer soll da mithalten?
Das führt zu einer paradoxen Situation: Je mehr "dezentrale" Projekte entstehen, desto mehr Nachfrage gibt es nach Cloud-Infrastruktur, was die Position der großen Anbieter stärkt.
Das Know-how-Problem
Einen eigenen Server zu betreiben ist kompliziert. Du musst dich um Sicherheit kümmern, um Updates, um Skalierung, um Ausfallsicherheit. Die meisten Entwickler wollen das nicht machen. Sie wollen Code schreiben, nicht Infrastruktur verwalten.
AWS und Co. bieten eine Abstraktionsschicht: Du musst dich nicht um die Details kümmern. Das ist verlockend. Und genau deshalb gewinnen sie.
Es gibt eine Wissenslücke. Viele junge Entwickler haben nie einen eigenen Server aufgesetzt. Sie kennen nur Cloud-Services. Die Fähigkeit, unabhängige Infrastruktur zu betreiben, erodiert.
Das Bequemlichkeits-Dilemma
Dezentralisierung ist unbequem. Es ist langsamer. Es ist teurer. Es erfordert mehr Koordination. Zentralisierte Systeme sind effizienter, zumindest kurzfristig.
Wenn du einen Ethereum-Node bei AWS startest, dauert das zehn Minuten. Wenn du ihn selbst hosten willst, brauchst du Tage oder Wochen. Wenn du eine Website bei Cloudflare hostest, ist sie sofort global verfügbar. Wenn du sie über IPFS verteilst, musst du Gateways und Pinning-Services verwalten.
Die Bequemlichkeit zentralisierter Systeme ist kein Zufall. Sie sind dafür designed, einfach zu sein. Und diese Einfachheit macht sie attraktiv, selbst für Leute, die Dezentralisierung philosophisch befürworten.
Alternativen und ihre Grenzen
Genossenschaften und Community-Infrastruktur
Es gibt Versuche, Infrastruktur genossenschaftlich zu organisieren. Projekte wie Mastodon zeigen, dass föderiertdezentrale Social Media funktionieren können. Es gibt Community-betriebene IPFS-Nodes und dezentrale Storage-Netzwerke wie Sia oder Storj.
Aber diese Projekte kämpfen mit Skalierung. Mastodon-Instanzen werden oft von Freiwilligen betrieben, die aus eigener Tasche zahlen. Wenn eine Instanz zu groß wird, wird sie zu teuer. Entweder sie stirbt, oder sie muss professionalisiert werden, was oft bedeutet: Cloud-Hosting.
Die Idee ist richtig, aber die Ressourcen fehlen. Genossenschaftliche Infrastruktur braucht nachhaltige Finanzierungsmodelle. Die gibt es kaum.
Falls du dich für genossenschaftliche Ansätze in der digitalen Ökonomie interessierst, schau dir meinen Artikel über digitale Genossenschaften im Globalen Süden an.
Mesh-Netzwerke und lokale Infrastruktur
Mesh-Netzwerke sind ein interessanter Ansatz: Statt auf zentrale Internet-Provider angewiesen zu sein, verbinden sich Geräte direkt miteinander und bilden ein lokales Netz. Projekte wie NYC Mesh oder Freifunk zeigen, dass das funktionieren kann.
Aber Mesh-Netzwerke haben Reichweiten-Probleme. Sie funktionieren gut für lokale Kommunikation, aber für globale Konnektivität brauchen sie am Ende doch wieder Anbindung an das große Internet. Und diese Anbindung läuft über... richtig, die üblichen Verdächtigen.
Es gibt keine rein lokale digitale Welt. Sobald du global kommunizieren willst, brauchst du die globale Infrastruktur. Und die ist zentralisiert.
Blockchain-native Lösungen
Projekte wie Helium wollen dezentrale Netzwerkinfrastruktur mit Blockchain-Incentives aufbauen. Die Idee: Menschen stellen Hardware bereit und werden in Token belohnt. Das funktioniert für LoRaWAN-Netzwerke (Internet of Things), aber kann es für vollwertiges Internet skalieren?
Bisher nicht. Die Bandbreitenanforderungen moderner Anwendungen sind zu hoch. Video-Streaming, Cloud-Gaming, KI-Workloads, all das braucht massive Kapazität. Die kann ein Community-betriebenes Netzwerk nicht liefern.
Aber vielleicht ist das der Punkt: Wir brauchen gestufte Ansätze. Dezentrale Infrastruktur für kritische, kleinere Daten. Zentralisierte Infrastruktur für Masse und Performance. Die Frage ist, wie wir die Grenzen ziehen.
In meinem Artikel über die Philosophie der Dezentralität und Proudhon gehe ich tiefer auf die theoretischen Grundlagen ein.
Politische und soziale Dimensionen
Digitaler Kolonialismus
Die Konzentration von Infrastruktur in den Händen weniger US-Konzerne ist eine Form digitalen Kolonialismus. Länder des Globalen Südens sind abhängig von Unterseekabeln, die von westlichen Firmen kontrolliert werden. Ihre Daten fließen durch Server in Virginia oder Oregon.
Das ist nicht nur ein technisches, sondern ein geopolitisches Problem. Wer die Infrastruktur kontrolliert, kann abhören, zensieren, abschalten. Edward Snowden hat gezeigt, wie tief die Überwachung geht. Und die Situation hat sich seitdem nicht verbessert.
Es gibt Versuche, regionale Infrastruktur aufzubauen. China investiert in eigene Unterseekabel und Satellitennetze. Die EU diskutiert einen europäischen Cloud-Service (GAIA-X), der aber bisher wenig Traktion hat. Aber solange die großen Player die Skaleneffekte haben, bleiben Alternativen teuer.
Mehr zu diesem Thema findest du in meinem Artikel über Krypto-Imperialismus und Blockchain-Machtverhältnisse.
Überwachungskapitalismus
Shoshana Zuboff hat den Begriff "Surveillance Capitalism" geprägt: Die Geschäftsmodelle der großen Tech-Firmen basieren darauf, Verhalten zu tracken, zu analysieren und zu monetarisieren. Wenn diese Firmen auch noch die Infrastruktur besitzen, wird die Überwachung total.
AWS sieht, welche Services du hostest. Cloudflare sieht, welche Websites du besuchst. Starlink kann theoretisch deinen kompletten Internet-Traffic analysieren. Das sind keine paranoiden Fantasien, sondern technische Möglichkeiten.
Die Dezentralisierungs-Community sagt: "Not your keys, not your coins." Aber müsste es nicht auch heißen: "Not your servers, not your sovereignty"?
Klimagerechtigkeit
Rechenzentren verbrauchen massive Mengen Energie. AWS allein verbraucht so viel Strom wie manche Länder. Die Kühlung von Servern, der Betrieb von Unterseekabel-Repeaters, der Start von Satelliten, all das hat einen CO2-Fußabdruck.
Gleichzeitig versprechen die Konzerne "grüne Cloud". AWS will bis 2025 zu 100% mit erneuerbarer Energie laufen. Aber können wir ihnen vertrauen? Und selbst wenn: Ist es gerecht, dass ein paar Konzerne so viel Energie verbrauchen, während andere Teile der Welt mit Strommangel kämpfen?
Dezentrale Systeme könnten theoretisch energieeffizienter sein, wenn sie Ressourcen besser verteilen. Aber oft sind sie es nicht, weil Redundanz Energie kostet. Die Klimadebatte um Blockchain zeigt das: Proof-of-Work ist energieintensiv, und selbst Proof-of-Stake braucht Strom für die Nodes.
Zu diesem Thema habe ich einen ausführlichen Artikel über Krypto und Degrowth geschrieben.
Was können wir tun?
Bewusstsein schaffen
Der erste Schritt ist Bewusstsein. Viele Leute denken, wenn sie eine "dezentrale App" nutzen, sind sie unabhängig. Aber wenn diese App auf AWS läuft und über Cloudflare ausgeliefert wird, ist das eine Illusion.
Wir brauchen Transparenz. Projekte sollten offenlegen, wo ihre Infrastruktur läuft. Es sollte Labels geben: "Hosted on AWS", "Self-hosted", "Community-operated". Dann können User informierte Entscheidungen treffen.
Selbst hosten
Wenn es dir ernst ist mit Dezentralisierung, musst du selbst hosten. Das ist aufwändig, aber machbar. Es gibt Projekte wie Yunohost oder FreedomBox, die das vereinfachen. Du kannst einen Raspberry Pi als Server nutzen, für unter 100 Euro.
Ja, du hast nicht die gleiche Performance wie AWS. Aber du hast Kontrolle. Und wenn mehr Leute selbst hosten, verteilt sich die Infrastruktur.
Falls du praktische Tipps brauchst, schau dir meinen Guide über Krypto ohne Smartphone an, wo ich alternative Zugangswege diskutiere.
Hybride Modelle
Vielleicht ist reine Dezentralisierung der falsche Ansatz. Vielleicht brauchen wir hybride Modelle: Kritische Daten und Identitäten dezentral, alles andere pragmatisch auf effizienter Infrastruktur.
Einige Projekte machen das bereits. Sie nutzen IPFS für wichtige Dokumente, aber Cloudflare-Gateway für die Auslieferung. Sie haben Smart Contracts auf der Blockchain, aber APIs auf AWS. Das ist nicht perfekt, aber es ist ein Kompromiss zwischen Idealismus und Realität.
Regulierung und Antimonopol
Letztlich ist das auch ein politisches Problem. Wir brauchen stärkere Antimonopol-Gesetze für digitale Infrastruktur. AWS, Google Cloud und Azure sollten wie Utilities reguliert werden, mit Verpflichtung zur Interoperabilität und Netzneutralität.
Es gibt Vorschläge für "Digital Public Infrastructure" – Infrastruktur, die im öffentlichen Besitz ist oder zumindest öffentlich reguliert wird. Das ist keine radikale Idee; wir machen das mit Straßen, Wasser, Strom. Warum nicht mit Internet?
Falls du dich für alternative Eigentumsmodelle interessierst, lies meinen Artikel über DAOs und demokratisches Eigentum.
Fazit: Die Mauern sind real
Die Überschrift dieses Artikels fragt: "Können dezentrale Projekte wirklich unabhängig von Tech-Giganten sein?" Die ehrliche Antwort: Aktuell nicht.
Die physische Infrastruktur des Internets ist konzentriert in den Händen weniger Konzerne. 63% der Cloud läuft bei AWS, Azure und Google. 72% des Satelliten-Internets gehört Starlink. 99% der interkontinentalen Daten fließen durch Unterseekabel, die zunehmend den Tech-Giganten gehören.
Dezentralisierung auf der Protokoll-Ebene ist wichtig. Aber sie ist nicht genug. Wenn dein dezentraler Node auf einem Amazon-Server läuft, dann hast du nur eine Illusion von Unabhängigkeit. Die digitalen Mauern sind real, und sie sind aus Glasfaser, Satelliten und Servern gebaut.
Das heißt nicht, dass wir aufgeben sollten. Aber wir müssen ehrlich sein über die Herausforderungen. Echte Dezentralisierung erfordert nicht nur neue Software, sondern neue Infrastruktur. Und die zu bauen ist schwer, teuer und langwierig.
Vielleicht ist das die unbequeme Wahrheit: Die Revolution wird nicht auf Amazon gehostet werden. Aber momentan tut sie es trotzdem. Und bis wir das ändern, sollten wir zumindest darüber reden.
Deine Infrastruktur, deine Entscheidung
Am Ende ist es wie bei Crypto selbst: "Be your own bank" funktioniert nur, wenn du bereit bist, die Verantwortung zu übernehmen. "Be your own host" bedeutet dasselbe.
Du kannst dich beschweren, dass AWS zu mächtig ist. Oder du kannst anfangen, Alternativen zu bauen und zu nutzen. Beides ist legitim. Aber nur das Zweite führt zu Veränderung.
Die Frage ist nicht, ob wir perfekte Dezentralisierung erreichen können. Die Frage ist, ob wir bereit sind, den Aufwand zu betreiben, um näher an dieses Ziel zu kommen. Jeder selbstgehostete Server, jeder Community-betriebene Node, jeder Mensch, der lernt, wie Infrastruktur wirklich funktioniert, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
Die digitalen Mauern sind hoch. Aber sie sind nicht unüberwindbar. Wir müssen nur anfangen zu bauen.
Wenn du dein Krypto-Portfolio professionell tracken willst, ohne auf zentralisierte Services angewiesen zu sein, schau dir Cointracker und Koinly an. Beide bieten solide Self-Custody-Optionen für das Tracking deiner Transaktionen.
Und wenn du ernsthaft in Hardware-Wallets investieren willst, um echte Kontrolle über deine Keys zu haben, findest du hier eine Auswahl:
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Für den Einstieg in Crypto mit fairer Infrastruktur empfehle ich KuCoin oder Binance – beides Plattformen, die zumindest teilweise auf dezentrale Ansätze setzen.


















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